Geschichte von Lok 4


Die Lokomotive mit der Fabriknummer 2053 wurde 1906 von Orenstein & Koppel in Berlin gefertigt. Es handelt sich um eine typische zweiachsige Nassdampfmaschine (Bn2t) mit 40 PS Leistung, gebaut für 600 mm Spurweite – ein Vertreter des Standardtyps, wie er in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts vielfach auf Feld- und Baubahnstrecken im Einsatz war.

Lok4 beim Bau der Bahnstrecke Altenhundem – Birkelbach um 1912-15

Erste Besitzerin war die Eisenbahnbaufirma Ernst Pack aus Letmathe, welche die Maschine beim Bau der Bahnstrecke Köln-Overath–Hoffnungsthal einsetzte. 1935 erhielt die Lok einen neuen Kessel von der Firma Balag Tamer Fors in Finnland, was auf einen zwischenzeitlichen Einsatz in Nordeuropa schließen lässt. Nach Deutschland zurückgekehrt, kam sie Mitte der 1950er Jahre in den Besitz der Hochtief AG, wo sie in Frankfurt am Main grundlegend überholt und auf Baustellen im In- und Ausland verwendet wurde – zuletzt beim Autobahnbau nahe Basel. Dort trug sie die Betriebsnummer 175.

Mit dem Ende ihrer aktiven Einsatzzeit wurde sie gemeinsam mit über 100 weiteren Lokomotiven auf dem Bauhof Walldorf eingelagert. Während alle anderen verschrottet wurden, blieb Lok 175 als einzige erhalten. Ab etwa 1964 diente sie als Denkmal auf einem Spielplatz in Walldorf bei Groß-Gerau.

Lok4 auf dem Spielplatz in Walldorf 1978

Im März 1979 konnte das Frankfurter Feldbahnmuseum die Maschine übernehmen. Bereits ein Jahr später, nach rund 870 Arbeitsstunden, war sie wieder betriebsfähig. In den folgenden Jahren nahm Lok 4 an zahlreichen Veranstaltungen teil, u. a. 1983 in Jügesheim/Rodgau, 1985 beim Eisenbahnjubiläum in Nürnberg und 1986 beim Westfälischen Industriemuseum in Dortmund-Bövinghausen.

Lok4 auf Reisen. Links – 1983 Eisenbahnfest in Rodgau-Jügesheim / Rechts – 1985 mit Lok 6 in Nürnberg

1993 wurde sie in ihre Einzelteile zerlegt und im Reichsbahnausbesserungswerk Meiningen mit einem neuen Kessel ausgestattet. Noch im selben Jahr kehrte sie in den aktiven Fahrbetrieb zurück. Ab 2008 war sie wegen Kesselschäden abgestellt. 2019 begann die erneute Zerlegung zur vollständigen Aufarbeitung. Nach einer umfangreichen Kesselreparatur inklusive TÜV-Abnahme wurde Lok 4 bis 2024 vollständig restauriert.

Heute steht sie wieder unter Dampf und ist fester Bestandteil des betriebsfähigen Fahrzeugbestands des Frankfurter Feldbahnmuseums – ein lebendiges Denkmal aus der Frühzeit der industriellen Feldbahngeschichte.

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