Projektbericht Diesellokomotive D8, Deutz 56375/1957 Typ MLH 220

Im Jahr 1989 wurde die Grubenlokomotive vom Typ MLH 220 von einem Mitglied des Frankfurter Feldbahnmuseums bei einem Privatmann bei Aachen entdeckt und erworben. [Michael Kulback]

Im Jahr 1989 kam die Grubenlok im Frankfurter Feldbahnmuseum an und wurde mit der FFM-Loknummer D8 in der Sammlung aufgenommen. [Udo Przygoda]

Erhaltene Diesellokomotiven Deutz Typ MLH 220, 22 PS:

28.04.1942 geliefert an Gelsenberg-Benzin AG, Gelsenkirchen/ 19xx Kalkwerk Cox, Bergisch-Gladbach/ 19xx Denkmal Bergisches Museum, Bergisch-Gladbach

Deutz 46764/1943, Typ MLH 220 G (760 mm)

Grube Håksberg, Håksberg [S]/ 1944 Höganäs AB, Nedre Kilane [S] (760mm) /1958 Höganäs AB, Werk Höganäs [S] /19xx Denkmal, Höganäs AB, Höganäs [S]

Deutz 55873/1954, Typ MLH 220

09.07.1954      gel. an Cia. Espanola de Motores Deutz, Otto Legitimo SA CEM, Madrid [E], für Fabrica de Mieres SA, Mieres [E] /19xx HUNSOA, Llanos, Oviedo [E] „20“ /21.01.1993 Museo del FC de Asturias, Gijon [E]

Deutz 56375/1957, Typ MLH 220

gel. 01.02.1957 an Gewerkschaft Carl Alexander, Steinkohlenbergwerk, Baesweiler/ Eschweiler Bergwerks-Verein, Zeche Emil Mayrisch, Siersdorf (19)/ an Privat, Aachen/ 1989 an Frankfurter Feldbahnmuseum, Frankfurt (D8)

Deutz 56890/1958, Typ MLH 220

Schwerspatgrube Nentershausen/ nach 1966 Denkmal Stollenmundloch Grube Münden, Nentershausen (Denkmal)

Die Deutz 46458/1942 ist am 29.10.2017 als Denkmal vor dem Bergischen Museum in Bergisch-Gladbach aufgestellt. [Udo Przygoda]

Die betriebsfähige Restaurierung

Zunächst mussten für eine betriebsfähige Rekonstruktion noch erhaltene Deutz-Diesellokomotiven vom Typ MLH 220 gesucht und besichtigt werden.

Von 1989 bis 2019 wurden die beiden noch in Deutschland erhaltenen Denkmallokomotiven in Nentershausen und Bergisch-Gladbach mehrfach besichtigt und Aufmaße und Zeichnungen für die fehlenden Teile der Blechverkleidung angefertigt.

Auf Grundlage dieser Zeichnungen konnte ein Stahlbauunternehmen die Einzelteile der Blechverkleidung im Jahr 1990 neu anfertigen.

Die Maße für die fehlenden Kuppelstangen wurden zwecks Neuanfertigung oder Anschaffung ermittelt. Weiterhin konnte 1991 eine Zeichnung der Lokomotive für den Museumsführer und auch für Modelleisenbahner erstellt werden.

Ein Vorbild für die Rekonstruktion der fehlenden Aufbauten war auch das Foto einer baugleichen Diesellokomotive Deutz 58930 vom Typ MLH 220 in der Grube „Wolkenhügel“ im Tal der „krummen Lutter“ bei Bad Lauterberg im Harz. [Detlev Luckmann, Slg. Archiv der Eisenbahnstiftung]

Im Jahr 1993 wurde mit der Zerlegung und der Restaurierung der Grubendiesellokomotive im Frankfurter Feldbahnmuseum begonnen. Erste Teile wurden demontiert und für die weitere Bearbeitung begutachtet.

Im Jahr 1994 wurde die Lokomotive komplett zerlegt. Der Rahmen und die Achsen wurden gesandstrahlt, grundiert und beschichtet. Der Rahmen schwarz RAL 9005 und die Radscheiben schwarz/rot RAL 9005/3000.

Anfangs mussten die Arbeiten im Freien ausgeführt werden, da zu diesem Zeitpunkt noch kein Hallenplatz zur Verfügung stand.

Im Jahr 1993 wurde mit der Zerlegung und der Restaurierung der Grubendiesellokomotive im Frankfurter Feldbahnmuseum begonnen. [Udo Przygoda]

Die ersten Anstricharbeiten am Rahmen und den Achsen erfolgten 1994 noch im Freien.
[Udo Przygoda]

Nach Montage des Fahrwerkes einschließlich Getriebe konnte die Lok in den gerade fertiggestellten Diesellokschuppen auf eigenen „Füßen“ einziehen.

Im Jahr 2006 erfolgte ein Umzug der Lok einschl. aller Teile zum Außenlager in Ffm.-Ginnheim.
[Wolfgang Paizdzior]

Ein Besitzerwechsel hatte zur Folge, dass die Arbeiten an der Lok ruhten. Erst nach einem erneuten Besitzerwechsel wurden die Arbeiten im Jahr 2005 wieder aufgenommen. Im Jahr 2006 erfolgte ein Umzug der Lok einschl. aller Teile zum Außenlager in Ffm.-Ginnheim. Hier konnte in einem Gewächshaus der Motor zerlegt, vermessen und begutachtet werden.

Die Toleranzmaße lagen zwischen einer Entscheidung zum Wiedereinbauen oder einer umfassenden Erneuerung/Reparatur sämtlicher Teile des Motors. Die Schwungscheiben wurden demontiert und der Motor wurde innerlich und äußerlich gereinigt. Eine neue Zylinderkopfdichtung und neue Kolbenringe wurden beschafft. Die Einspritzdüse und die Hilfseinspritzdüse für die Vorkammer wurden überholt. Für den Motor wurden verschiedene Ersatzteile beschafft.

Im Jahr 2007 wurde der Zylinder gehohnt, die neuen Kolbenringe wurden eingesetzt und der Kolben wurde wieder montiert. Die Ventile wurden geschliffen und der Ventilsitz wurde eingeschliffen, so dass die Ventile wieder optimal dichten. Der Motor wurde gründlich gereinigt und Farbreste wurden entfernt. Nach der Grundierung folgte der Anstrich (Eisengrau RAL 7011) des Motors.

Die beiden Schwungscheiben wurden montiert und der „Obere Totpunkt“ des Kolbens wurde zur Einstellung der Einspritzpumpe vermessen und markiert. Der Zylinderkopf einschließlich der beiden aufgearbeiteten Einspritzdüsen und Ventile wurde montiert. Der Dieselfilter wurde nach entsprechenden Vorarbeiten befestigt und die Kraftstoffleitungen wurden komplett erneuert und montiert. Daraufhin konnte die Einspritzpumpe eingestellt werden, so dass der Motor in Betrieb gehen konnte. Zur ersten Inbetriebnahme in der Gärtnerei wurde ein provisorisches Auspuffrohr ins Freie hergestellt.

Erste Startversuche zur Wiederinbetriebnahme des Motors waren im Jahr 2008 erfolgreich. Zwar waren noch einige Einstellarbeiten für einen störungsfreien Lauf des Motors erforderlich, aber die ersten Probeläufe waren schon zufriedenstellend.

Im Jahr 2008 konnte der Motor nach umfangreichen Arbeiten im Gewächshaus des Außenlagers wieder in Betrieb genommen werden. [Udo Przygoda]

In den Jahren 2008 und 2009 wurde hauptsächlich am Getriebe und an der Bremsanlage gearbeitet. Die zerlegten Teile des Getriebes wurden auf Vollständigkeit geprüft, gereinigt und von alter Farbe befreit, so dass die Montage und die verschiedenen Anpassarbeiten der Dichtungen erfolgen konnten. Für die Bremsanlage mussten alle Bohrungen des Bremsgestänges und der Bremsklötze aufgerieben bzw. aufgebohrt werden. Zwangsläufig mussten nun sämtliche Bolzen für die Bremsaufhängung erneuert werden.

Die Schraubengewinde zur Einstellung der Bremsen wurden funktionstüchtig überarbeitet. Außerdem waren verschiedene Schweißarbeiten an den Quertraversen erforderlich, da die Bolzen erneuert werden mussten. Im Jahr 2009 waren die Einzelteile der Bremsanlage fertiggestellt und waren für den Einbau vorbereitet. Die Besandungsanlage wurde instandgesetzt und lackiert

Es folgte eine Einstellung der Arbeiten zugunsten der Aufarbeitung der Diesellokomotive D22 Deutz OMZ122, da diese für den Fahrbetrieb Vorrang hatte.

Die Lokomotive wurde 2016 in die Museumswerkstatt verbracht, um die Aufarbeitung fortzusetzten.

Die Lokomotive wurde 2016 wieder in das Frankfurter Feldbahnmuseum transportiert um die Aufarbeitung in der eigenen Museumswerkstatt fortzusetzten. [Udo Przygoda]

Hier wurde die Lok mit Hilfe der Hebeböcke angehoben und ausgeachst. Das Getriebe wurde von der Hinterachse gelöst, gereinigt und vor dem Zusammenbau erhielten die Achsen und das Getriebe einen neuen Anstrich.

Nachdem auch der Fahrwerkrahmen komplett neu gestrichen wurde, konnten die Achsen einschließlich Getriebe wieder eingebaut werden. Mit der Lackierung des Motors wurde begonnen. Für die Bremsklötze mussten die Hängeeisen umgebaut und neue Bolzen angefertigt werden. Für die Handhebelbremse wurde ein neuer Zahnkranz angefertigt. Weiterhin wurden sämtliche Bremszugstangen neu angefertigt.

Im Jahr 2018 konnten die Rekonstruktion und der Einbau der Bremsanlage abgeschlossen werden.

Nach Fertigstellung des Fahrwerks wurde mit dem Aufbau der Blechverkleidung begonnen. Stück für Stück fügte sich dabei das Puzzle aus Neu- und wenigen Altteilen, sodass die Form der Lokomotive bereits gut zu erkennen war. Die Motorhaube wurde mit den zahlreichen Deutz-typischen Lüftungslöchern versehen und durch Anbauteile ergänzt.

Die Blechaufbauten der Lokomotive wurden 2019 schrittweise vervollständigt und lackiert. Auch der Auspufftopf fand wieder seinen Platz im Rahmen der Lokomotive. Mit dem Anbau der massiven Puffer war das Aussehen der Lokomotive wieder weitgehend zu erkennen.

Bei der Reinigung des Auspuffkastens konnte ein einziger Hinweis auf das Baujahr der Lokomotive gefunden werden. Es sind die Nummer A3589 und das Datum 9.1.1957 eingeschlagen. Da im Jahr 1957 nur eine Lokomotive vom Typ MLH 220 in das Aachener Revier geliefert wurde, wird vermutet, dass es die Lok mit der Fabriknummer 56375 ist, die am 1. Februar 1957 an die Gewerkschaft Carl Alexander, Steinkohlenbergwerk Baesweiler ausgeliefert wurde.

Im Jahr 2017 wurden die Achsen im FFM ausgebaut und das Getriebe auf der Hinterradachse teilzerlegt, gereinigt und begutachtet. [Udo Przygoda]

Die Bestandteile der Bremsanlage sind am 26.01.2018 fertiggestellt und grundiert. [Udo Przygoda]

Die Funktionsprüfung der kompletten Beleuchtungsanlage erfolgte am 23.11.2019. [Udo Przygoda]

Die Beleuchtungsanlage der Grubenlok wurde komplett überholt bzw. neu gebaut. Die beiden Lampen sind Originalteile. Der altbrauchbare Generator wurde aufgearbeitet und der Schalter wurde aus Altteilen neu gebaut.

Im Jahr 2020 erhielten der Kühlwasserbehälter und der Kraftstofftank neue Schaugläser. Der Einbau des Tanks sowie die Montage der Kraftstoffleitung zur Einspritzanlage setzte die Komplettierung zur Inbetriebnahme fort. Ferner fertigte eine Fachfirma neue Bleche für die Lampenschirme an.

Nach umfangreichen Vorbereitungsarbeiten durch unseren Motorenspezialisten konnte im Jahr 2021 der Motor erneut in Betrieb gesetzt werden – ein großer Moment für alle Projektbeteiligten. Dabei zeigte sich allerdings auch, dass noch weiterführende Arbeiten am Getriebe notwendig sind.

Für die Beleuchtung wurde der Generator im Jahr 2022 positioniert und zwei Keilriemen für den Antrieb beschafft. Neue Lampenhalter wurden hergestellt und montiert.

Im Jahr 2024 wurden neue einzuhängende Seitenbleche für den Motorvorbau sehr aufwändig gefertigt. Da keine Zeichnungen oder Vorlagen bei den vorhandenen Denkmallokomotiven vorhanden sind, stand lediglich ein Foto von Detlev Luckmann für einen Nachbau zur Verfügung. Dieses zeigt die Deutz 58930 am 04.05.1967 auf der Schwerspatgrube „Wolkenhügel“ in Bad Lauterberg/Harz.

Ein weiteres kleines Detail ist die Signalglocke auf dem Führerstand, für die ein neuer Halter angefertigt werden musste.

Das Getriebe wurde instandgesetzt und die Auspuffanlage abgedichtet. Anschließend konnte die Lok erstmals nach ihrer Instandsetzung wieder aus eigener Kraft bewegt werden.

Montagearbeiten mit Unterstützung an den Blechaufbauten am 20.06.2018. [Felix Grassel]

Ein Teil der Blechaufbauten und die Puffer sind am 10.07.2019 montiert. [Udo Przygoda]
Mit vereinten Kräften wird am 12.09.2020 an der Vorbereitung für den Probelauf des Dieselmotors gearbeitet. [Udo Przygoda]
Ein erneuter Probelauf mit gemeinsamer Starthilfe erfolgte am 18.09.2024. [Udo Przygoda]
Die Blechverkleidung der Antriebsteile im Führerstand besteht aus Alt- und Neuteilen, Stand 04.01.2025.
[Udo Przygoda]

Im Jahr 2025 wurde intensiv an der mechanischen Fertigstellung der kleinen Grubenlokomotive gearbeitet. Die Blechverkleidung der Antriebsteile im Führerstand wurde fertiggestellt und die beiden ersatzweise beschafften Kuppelstangen erhielten neue Lager.

Da keine Altteile vorhanden waren und auch keine Konstruktionszeichnungen vorliegen, ergab sich hier eine besondere Herausforderung.

Der Generator einschl. Kabelschutzrohre wurde endgültig montiert. Der neu angefertigte Lokführersitz wurde durch einen Werkzeugkasten komplettiert. Der Startmechanismus wurde optimiert und eine elektrische Glühanlage anstelle der Diesel-Selbstzünder (Zündfix) getestet.

Die Verkleidung der Maschine wurde weitestgehend wieder demontiert und erhielt einen Neuanstrich. Im Rahmen der Montage der Verkleidung musste auch noch der dreiteilige Kettenschutz montiert werden, wozu jedoch das Getriebe teildemontiert werden musste.

Die Verkleidung der Maschine wurde wieder vollständig demontiert. Bei den Probeläufen wurde festgestellt, dass die Einstellung zum Starten nicht zuverlässig funktioniert. Zur Behebung des Fehlers musste die linke Schwungscheibe und die Motorabdeckung an der Steuerungsseite demontiert werden. Der Mitnehmer der Anlassvorrichtung war abgerissen und wurde erneuert. Anschließend konnte der Motor wieder geschlossen werden und die Schwungscheibe wurde wieder montiert.

Die vielen Einzelteile der Blechverkleidung der Antriebsteile einschl. Kettenschutz im Führerstand wurden neu lackiert und nach und nach im Zuge des fertigen Anstriches zur Montage bereitgestellt. Der Fahrwerkrahmen einschl. Achsen und die Bremsanlage wurden schwarz lackiert. Motor, Getriebe, Wasser- und Dieseltank erhielten einen Anstrich Eisengrau RAL 7011.

Es folgte die Endmontage der Blechverkleidung der Antriebsteile und des Motorvorbaues für die Endlackierung. Diese wurde im Frühling des Jahres 2026 beendet.

Die Lager der Kuppelstangen mussten neu angefertigt werden. Eine erste Montage erfolgte am 26.04.2026.
[Udo Przygoda]

Nach Demontage der linken Schwungscheibe konnte die Motorsteuerung freigelegt werden, 11.06.2025.
[Udo Przygoda]

Die Montage des dreiteiligen Kettenschutzes erfolgte am 01.11.2025. [Udo Przygoda]
Am 18.03.2026 wurde an der Endlackierung der Deutz MLH220 gearbeitet. [Rudolf Neutsch]

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